Exkursion des Solarvereins WBW und der Energieagentur Rems-Murr zum Windpark Weikersheim - Neubronn und dem Wasserkraftwerk Schäftersheim

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von Hanne Barth

Teilnehmer aus dem ganzen Kreis fuhren am Samstag 28.1.12 ins Taubertal, um dort einen seit 12 Jahren bestehenden Bürger-Windpark in Neubronn bei Weikersheim zu besuchen. Die Veranstalter setzten damit ihre Veranstaltungsreihe über das Thema Windenergie fort. Gerne nahmen die Reisenden das Angebot an, zu Beginn der Exkursion im benachbarten Schäftersheim an der Tauber ein kleines Wasserkraftwerk (70 kW el.) zu besichtigen, das ebenfalls von einer Bürgerinitiative gebaut worden ist. Anlagenbetreuer Hansjörg Keyl erklärte den Besuchern vor Ort die Technik und Funktionsweise der Anlage, die am bestehenden Wehr errichtet wurde und seit 1999 Strom erzeugt. Die Besucher konnten nicht nur die äußeren Anlagen, z.B. Wehr, Rechen, Fischaufstiegshilfe und Turbineneinlauf besichtigen, sondern auch ins Turbinenhaus hinabsteigen. Rund um die Uhr steuert ein PC die Anlage. Er passt die Öffnung der Turbine den jeweiligen Wasserständen an, lässt von Zeit zu Zeit ein Spülprogramm laufen und aktiviert in regelmäßigen Abständen den Rechenreiniger. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass das Potenzial der Anlage möglichst gut ausgeschöpft wird. Wie nicht anders zu erwarten hängt die Stromerzeugung vom Wetter ab. In Jahren mit vielen Niederschlägen produziert die sie wesentlich mehr Strom als in trockenen. Beispielsweise im Jahr 2010 waren dies 340.439 kWh und im wasserarmen Jahr 2011 nur 205.590 kWh.

Nach einem stärkenden Mittagessen im Gasthaus Klosterhof informierte der Windparkbetreiber Friedhelm Preuß über den Bürgerwindpark „Naturkraft Tauber“, der sich auf den benachbarten Markungen von Queckbronn und Neubronn befindet. Die Erbauer und Betreiber sind Landwirte, die vor 12 Jahren, als es noch keine garantierte Einspeisevergütung für Windstrom gab, das erste Windrad errichtet haben. Sie haben sich kundig gemacht und gemeinsam alle Schritte von der Planung bis zur Realisierung getan. Dabei haben sie einen reichen Erfahrungsschatz erworben. In seinem Vortrag hat Preuß das Vorgehen erklärt und kam zu dem Schluss, dass die Planung, Errichtung und Finanzierung von Windenergieanlagen durch Bürger geleistet werden kann, was er anhand von guten Leistungsdaten und wirtschaftlichen Ergebniszahlen zeigen konnte. Sein Fazit war, Bürger sollten Windenergieanlagen selbst erstellen, dann bleibt auch der große Teil der Wertschöpfung in der Region.

Preuß erläuterte am Beispiel der Aspacher Markung, nach welchen Gesichtspunkten Standorte ausgewählt werden sollten. Beispielsweise ist es wichtig, dass diese in der Nähe einer Straße oder eines Weges liegen, um die Teile eines Windrads herantransportieren zu können. Enge Ortsdurchfahrten oder kurvige Waldwege könnten entscheidende Hindernisse darstellen. Ein sinnvoller Abstand zu Siedlungen ist notwendig, damit diese nicht durch Geräuschentwicklung und Schattenwurf beeinträchtigt werden. Die Belange des Naturschutzes sind mit Hilfe von artenschutzrechtlichen Gutachten zu klären, Bodengutachten und Turbulenzgutachten sind wegen der Standfestigkeit der Anlage nötig. Zur Einspeisung des produzierten Stroms muss die Windmühle an das Stromnetz angeschlossen werden. Je länger die Zuleitung zu einem solchen Anschlusspunkt wird, desto höher sind die Kosten. Alle Untersuchungen wären wertlos, wenn nicht geklärt ist, ob es am gewählten Standort tatsächlich genug Wind gibt. Dafür sind mindestens zwei Gutachten erforderlich. Wer dies vernachlässigt, riskiert, dass seine Investition keine Rendite abwirft. Ob eine Rendite entsteht, hängt jedoch auch davon ab, so Preuß, ob die Kosten für Projektierung, Bau, Verwaltung und Betrieb im Rahmen bleiben. Auch auf diesem Sektor kann es sich entscheiden, ob sich eine Windenergieanlage rentiert. Die hohe Anzahl von Gutachten ist für die Baugenehmigung notwendig. Dies führt dazu, dass das ganze Verfahren seine Zeit braucht. Wie auch schon Erwin Schweizer, der Regionalvorsitzende des Bundesverbands Windenergie im November in seinem Vortrag in Backnang, empfiehlt Friedhelm Preuß, Bürger sollten die Sache selbst in die Hand nehmen. Für den Windpark bei Neubronn, der bereits neun Windkraftanlagen umfasst, gab es glücklicherweise keine Probleme mit der Akzeptanz. Die Bevölkerung, die Kommune und der Stromnetzbetreiber unterstützten die Vorhaben und beteiligten sich an der Finanzierung. Ergänzt wurden diese Ausführungen von Karl Pflüger, dem Fachmann für die Finanzen des Windparks.

Nach den Vorträgen, an die sich viele Fragen aus dem interessierten Publikum anschlossen, fuhr die Reisegruppe zum Windpark und besichtigte dort eine der Windenergieanlagen. Es handelte sich um eine Enercon E 66-18-70 mit 70 m Rotordurchmesser, ca.98 m Nabenhöhe und einer Leistung von 1,8 MW. Diese Anlage hat im letzten Jahr drei Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt. Friedhelm Preuß erläuterte die Technik und Funktionsweise der Anlage, deren Steuerung, die Einflüsse von Wind- und Wetterlagen und den notwendigen Service. Auch hier musste er wieder viele Fragen beantworten.

Auf der Rückfahrt im Bus gab es unter den Reiseteilnehmern einen regen Gedanken- und Ideenaustausch darüber, wo und wie man im Rems-Murr-Kreis Wind- oder Wasserkraftprojekte verwirklichen könnte.


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