Bericht von der Infoveranstaltung am 25. November 2011 im Backnanger Bürgerhaus:
Nutzung der Windenergie auch im Rems-Murr-Kreis - eine Chance für alle!
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Seit dem Regierungswechsel in Baden-Württemberg sind die Hürden für die Nutzung der Windenergie erheblich niedriger geworden. Entsprechend groß war deshalb das Interesse an einer gemeinsamen Informationsveranstaltung von Solarverein WBW (Weissacher Tal, Backnanger Bucht, Welzheimer Wald) und Energieagentur des Rems-Murr-Kreises. Mit Erwin Schweizer, Bopfingen, dem Vorsitzenden des Verbandes Windenergie in Nordwürttemberg und Uwe Schelling, dem Geschäftsführer der Energieagentur des Rems-Murr-Kreises, war es dem Solarverein gelungen, zwei sachkundige Referenten zu gewinnen.
Uwe Schelling befasste sich mit den Aussagen des neuen Windatlasses. Er zeigt auf, dass es im Blick auf die Windgeschwindigkeiten drei aussichtsreiche Gebiete im Landkreis gibt: den Schurwald zwischen Fellbach und Schorndorf, den Bereich Berglen zwischen Korb und Rudersberg und den Schwäbischen Wald nördlich der Murr zwischen Aspach und Murrhardt. Schelling betonte, dass es bei der Beurteilung eines möglichen Standorts unerlässlich ist, eine umfangreiche Liste weiterer Faktoren unter die Lupe zu nehmen und nicht nur die Windgeschwindigkeit.
Welche Fragen im Vorfeld des Baus einer Windkraftanlage unbedingt zu klären sind, war Gegenstand der Ausführungen von Erwin Schweizer. Als Erbauer von bisher 15 Windkraftanlagen im Ostalb-Kreis schilderte er sehr anschaulich die einzelnen Schritte, die bis zur Inbetriebnahme einer neuen Anlage erforderlich sind. Besonders wichtig war ihm:
- Die Anlagen müssen von Bürgern aus ihrer näheren Umgebung finanziert werden. Nur dann besteht die Gewähr, dass die Wertschöpfung in Form einer höheren Kaufkraft vor Ort bleibt. Dieser Gewinn für eine Region hat in seinen Augen mehr Bedeutung als höhere Gewerbesteuereinnahmen.
- Die Wirtschaftlichkeit muss solide ermittelt sein, damit eine akzeptable Rendite zur Realität wird und nicht stattdessen Verluste entstehen.
- An den Erträgen müssen auch die Nachbarn einer Windkraftanlage fair beteiligt werden.
- Anders als bisher sind in Zukunft die Standortkommunen für die Genehmigung von Anlagen zuständig. Sie allein können Flächennutzungspläne beschließen, die die möglichen Gebiete für Windenergieanlagen festlegen.
- Besonders eindrucksvoll war der Vergleich, wie viel erneuerbare Energie aus einem ha Fläche herausgeholt werden kann. Mit Biomasse, wie z.B. Mais, sind es im Jahr ca. 20 000 Kilowattstunden. Bei Bedeckung der gleichen Fläche von 1 ha mit Fotovoltaik-Modulen sind es ungefähr fünf Mal mehr. Am ergiebigsten ist die Belegung der Vergleichsfläche mit einer Windkraftanlage, die mehr als das Tausendfache an Energie verglichen mit dem Fall der Biomasse liefert.
Nach solchen Aussagen war es kein Wunder, dass sich an die beiden Vorträge eine lebhafte Diskussion anschloss. Dabei wurde auch das Vorurteil ausgeräumt, dass Windkraftanlagen im Meer unvergleichlich ergiebiger seien als Anlagen auf dem Festland. Unter günstigen Bedingungen liefern sie etwa das Doppelte an Energie verglichen mit einer gutplatzierte Anlage auf dem Festland. Ihre Bau- und Wartungskosten sind aber dreimal höher und ihre Lebensdauer kürzer.
Als Schlusswort lud der Vorsitzende des Solarvereins, Peter Brinkmann, zu einer Besichtigungsfahrt zu einem ebenfalls bürgerfinanzierten und von Landwirten gebauten Windpark bei Bad Mergentheim ein.
Hanne Barth




