Die Problematik der Sicherheit von hoch strahlendem Atommüll in Deutschland

Mail vom Vereinsmitglied Martin Lutze an Udo Schmülling am 18.03.2011, 21:23:16

Hallo Udo,

die Ereignisse dieser Woche haben die Welt verändert. Als ob wir eine Unschuld verloren haben. Die Natur hat gewaltig zurückgeschlagen, nach Catrina in New Orleans und der Überflutung von Pakistan ist es die größte Katastrophe. Man kann nur hoffen und beten, dass die Reaktoren von Fukushima so weit gekühlt werden können, dass sie in einer sicheren Phase abklingen. Aber wir wissen, dass die Brennstäbe erst 5 Jahre in einem nassen Abklingbecken liegen und dann in unseren Zwischenlagern in Castoren eingeschlossen 40 Jahre durch Luftkühlung an Hitze verlieren, bevor man sie in ein Endlager packen kann. In Gundremmingen habe ich die ganze Prozedur des ZL von der ersten Anhörung bis zur letzten Klage vor dem Verfassungsgericht mitgemacht.

Das Lager hat 80 cm dicke Betonwände, trotzdem geht die Gammastrahlung da hindurch, dass man in 120 m Abstand einen Zaun machen musste, an dem man sich nicht dauernd aufhalten darf. Der Betonboden, auf dem die Castoren stehen, werden über 100° heiß. Ohne Schutzkleidung darf man da nicht hinein. Die heiße Luft wird über Dach abgeführt, wenn ein Castor eine Kettenreaktion entwickelt, geht der Dreck raus in die Landschaft. Die süddeutschen ZL sind gegen einen Flugzeugabsturz nicht sicher. Zwar behauptete das Bundesamt f. Strahlenschutz BfS, die Castoren seien sicher und ein Kerosinbrand sei in 50 min. gelöscht, aber ich habe das widerlegt. Wenn es tatsächlich mal nach Ende des AKW einen Angriff auf ein voll bestücktes Zwischenlager (mit 192 Castoren) geben sollte, dann ist der Schaden etwa mit Fukushima vergleichbar. Jeder Castor enthält 1x Tschernobyl. wenn mehrere davon außer Kontrolle geraten, kann man das Lager nicht räumen. Es gibt auch keine “Heiße Zelle”, in der man einen Castor öffnen und neu verschließen kann. Lauter Einsparungen, die die Geldgier der Macher erkennen lassen. Das Lager besteht aus zwei ganz langen, schmalen Abteilungen, jede mit einem Gang, wo auch der Kran läuft, mit dem die Castoren eingebracht werden. Bei einem Angriff, einem „Flab“, wird der Kran nicht mehr funktionieren. Die Castoren kann man aber nur an einem Ende des Lagers, nicht an beiden Enden! entladen. Diese Fehlplanung hat auch die gravierenden Veränderungen durch New York 2001 ohne jede Umplanung überstanden!!! Alle Einwendungen gegen diese Unterlassung perlten am BfS einfach ab. Die hatten die Chuzpe, in die Genehmigung hineinzuschreiben, dass die Halle durch Flugzeugabsturz zerstört werden könne, aber die Castoren seien sicher. So etwas können nur Wahnsinnige verfassen.

Es ist unglaublich, mit welchen Lügen die Reaktorsicherheitskommission die Sicherheit der Castoren behauptet hat. Dabei sind alle im Betrieb befindlichen Castoren noch nie 1:1 durchgetestet worden. Es gab nur Computerberechnungen, die eine Prüfung ersetzten. Und eines Tages fand man einen Fehler in dem Comp.-Rechnungssystem. Wie das ausging weiß ich nicht. Zwischen Teil 1 und Teil 2 der Klage in München lag ein volles Jahr der Verschleppung. Das diente der Herausgabe von Akten über einen Flugzeugabsturz, für den es 4 Gutachten gab, die das BfS unter Verschluss hielt. Die Akten wurden nur auszugsweise herausgegeben und waren größtenteils geschwärzt. Das Gericht hat die Schwärzung anerkannt als Beweisunterlage vor Gericht. Eine größere Volksverdummung als dieses Münchner Oberverwaltungsgericht habe ich noch nicht erlebt. Die dicke Schwarte des Genehmigungsprotokolls für das ZL, verfasst vom BfS, ist eine einzige servile Dienstleistung dieses Amtes gegenüber den Atomfuzzis, denen es buchstäblich in den Arsch gekrochen ist. So, jetzt mache ich aber Schluss. Ich wollte nur verdeutlichen, welch Geistes Kind die Leute sind, die die Kanzlerin als Geisel halten.

Übrigens war der Gabriel am Donnerstag im Parlament einsame Klasse, wie er die Kanzlerin auseinandergenommen hat. Er hatte eine ganze Kiste Handgranaten mitgebracht. Die Merkel hätte danach eigentlich zurücktreten müssen. Deutlich hatte Gabriel das Wort Vertrauen genannt, das nicht mehr bestehe, also indirekt hatte er die Vertrauensfrage gestellt.

Liebe Grüße
Martin


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