Das Märchen von der überzogenen Förderung der Fotovoltaik
Vorwort: Dieser Artikel wurde erst nach einigem Hin und Her und dann leider nur in einer stark verkürzten Version als Leserbrief am 16.1.2010 in der Backnanger Kreiszeitung abgedruckt. Der Titel lautete: „Kein absurder Auswuchs der Förderung“.
Es ist schon erstaunlich, wie in der Presse immer wieder die scheinbar negativen Aspekte der Förderung der Erneuerbaren Energien ausgebreitet werden – noch dazu mit inhaltlichen Ungenauigkeiten.
Dabei werden die positiven Seiten und notwendigen Ziele bei der Anwendung der Stromerzeugung durch Fotovoltaik inzwischen sowohl von der Kanzlerin als auch von der Landesregierung ausdrücklich betont. Originalton Merkel: „Dabei wissen wir: unsere Energiebilanz verbessern wir nur, wenn wir verstärkt auf Strom aus erneuerbaren Energien setzen“. Und im Energiekonzept der Landesregierung heißt es: bis 2020 soll die Fotovoltaik-Kapazität verneunfacht werden (bezogen auf 2005) !
Und wie soll das gehen? Am wirksamsten über finanzielle Anreize wie seinerzeit beim Katalysator oder in diesen Tagen durch eine Abwrack-Prämie. Das ist der Sinn der attraktiven Vergütung des eingespeisten Stromes gemäß dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG).
Und nun schauen wir uns mal die Kostenseite an. Den Kostenanteil der erneuerbaren Energien insgesamt kann jeder aus seiner Jahres-Stromrechnung erkennen. Beispiel: großes Wohnhaus, SÜWAG, 2009: Gesamtstromkosten 1.012 Euro, EEG-Anteil 68 Euro – also weniger als sieben Prozent.
Von diesen sieben Prozent beträgt der Anteil der Stromerzeugung durch Fotovoltaik laut statistischem Landesamt etwa ein Zehntel (Löwenanteil: Wasserkraft). Ohne die genaue Kalkulation der Stromversorger zu kennen, kann man davon ausgehen, dass jeder Verbraucher von seinen ca. 20 Cent pro Kilowattstunde deutlich weniger als 1 Cent für Fotovoltaik-Stromvergütung zahlen muss.
Natürlich sollte eine vernünftige Balance zwischen Vergütung dieses Stromes und der Rendite von Fotovoltaik-Anlagen bestehen. Dies wird durch den seit etwa zehn Jahren gesetzlich verankerten Grundsatz angestrebt, wonach die Vergütung für neue Anlagen jedes Jahr sinkt, denn die Preise der Anlagen sinken ebenfalls.
Vor diesem Hintergrund ist das Gerede von der übertriebenen Förderung der Fotovoltaik ein Märchen und ein Affront für alle Bürgerinnen und Bürger, die eigenes Geld in die Hand nehmen und damit etwas tun, was die Stromkonzerne schon seit Jahren tun sollten: Nämlich zum Schutz des Klimas und zur dauerhaften Sicherung der Energieversorgung möglichst schnell die Erneuerbaren Energiequellen zu erschließen. Wenn durch die derzeitige Einspeisevergütung streng betriebswirtschaftlich gerechnet für das eingesetzte Privatkapital eine Rendite von 4 bis 5 Prozent herauskommt, so ist das angemessen und kein absurder Auswuchs der Förderung.
Klaus Seidensticker, Agenda 21 der Stadt Backnang
Dr. Werner Barth, Solarverein WBW
Hauptversammlung
25. Mai 2012, 19.30 Uhr
Bürgerhaus Unterweissach
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